Google Fonts vom fremden Server – zwei Zeilen, die niemand braucht
Eine Zeile im Seitenkopf lädt die Schrift bequem von einem fremden Server – und überträgt dabei bei jedem Aufruf die IP-Adresse Ihres Besuchers, ohne dass er gefragt wurde.
Warum das ein Befund ist
Wird eine Schrift beim Seitenaufbau von einem fremden Server geladen, entsteht eine Verbindung dorthin. Übertragen werden dabei mindestens die IP-Adresse, die Herkunftsseite und Angaben zum Browser. Das geschieht automatisch, bevor der Besucher irgendetwas anklicken konnte – eine Einwilligung ist also nicht möglich gewesen.
Für diese Übertragung gibt es ohne Einwilligung des Besuchers keine Rechtsgrundlage (Art. 6 DSGVO). Das ist der Kern des Befundes, und er ist unstrittig.
Oft zitiert wird ein Urteil des Landgerichts München I von 2022 (Az. 3 O 17493/20), das 100 € Schadensersatz zusprach. Diese Zahl sollte man vorsichtig behandeln: Es ist ein Einzelfall eines Landgerichts, er löste eine Welle massenhafter Abmahnschreiben aus, die mehrere Gerichte später als rechtsmissbräuchlich einstuften – und der Europäische Gerichtshof hat 2023 entschieden (C-300/21), dass ein Verstoß allein noch keinen Schadensersatz begründet. Umstritten ist die Höhe eines Anspruchs, nicht die Pflicht. Behoben ist der Befund in einer halben Stunde – und dann erübrigt sich die Frage.
So beheben Sie es
Schriften selbst ausliefern statt nachladen. Der Weg in drei Schritten:
- Schriftdateien herunterladen – im Format
woff2, das genügt für alle heute üblichen Browser. - In einen eigenen Ordner legen, etwa
/schriften/. - Im Stylesheet einbinden und den fremden Verweis entfernen:
@font-face {
font-family: 'Ihre Schrift';
src: url('/schriften/ihre-schrift.woff2') format('woff2');
font-display: swap; /* Text sofort sichtbar, Schrift wird nachgereicht */
}
Danach die Zeile im Seitenkopf löschen, die auf den fremden Server zeigt – meist ein <link> oder ein @import im Stylesheet.
<link> im Kopf entfernt, während das Stylesheet weiter per @import nachlädt. Der Befund bleibt dann bestehen. Suchen Sie in allen Stylesheets nach dem Namen des fremden Servers.Nebenwirkung: es wird schneller
Selbst ausgelieferte Schriften brauchen keine zusätzliche Verbindung zu einem fremden Server – kein DNS-Nachschlagen, kein neuer Verbindungsaufbau. Auf dem Telefon spart das spürbar Zeit. Der Umbau verbessert also gleichzeitig Datenschutz und Ladezeit.
Dasselbe Muster
Was für Schriften gilt, gilt für alles, was beim Aufruf von fremden Servern nachgeladen wird: Symbolsätze, Bibliotheken für Bildergalerien, eingebettete Karten, Bewertungssterne. Die Prüffrage lautet immer: Kontaktiert meine Seite beim bloßen Aufruf einen fremden Server?
Häufige Fragen
Sind Google Fonts verboten?
Nein. Verboten ist das ungefragte Nachladen von einem fremden Server beim Seitenaufruf, weil dabei die IP-Adresse übertragen wird. Selbst ausgeliefert sind dieselben Schriften unproblematisch.
Wie erkenne ich, ob meine Seite betroffen ist?
Im Seitenquelltext und in allen Stylesheets nach dem Namen des fremden Schriftservers suchen. Ein Prüfwerkzeug meldet die Verbindung ebenfalls.
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